Auch wenn die Bundesregierung sich mit Mühe auf die sog. 48%-Haltelinie für die Rente geeinigt hat, viel wichtiger für das Einkommen im Ruhestand ist die sog. Netto-Ersatzquote. Heißt: Wie viel Einkommen haben Rentner im Vergleich zum letzten Nettolohn. Und hier erhalten die Bundesbürger vergleichsweise wenig. Die Netto-Ersatzquote liegt in Deutschland gerade bei 53%, ermittelte jetzt die OECD. Zum Vergleich: Im Schnitt anderer Industrieländer liegt die Netto-Ersatzquote bei 63%, in vielen EU-Länder noch höher: Schweden 66%, Frankreich: 70%, Spanien 86%, Österreich 87% oder in den Niederlanden 96%. Das heißt: Im Schnitt haben Holländer im Alter das gleiche Einkommen wie im Job. Der Hauptgrund warum Rentner in anderen Ländern besser versorgt sind: Neben der gesetzlichen Rente gibt es oft eine verpflichtende private Vorsorge und die Beitragssätze zur gesetzlichen Rente sind vielfach höher – in Italien 33%, in Spanien 28%, in Frankreich 27,8%, in Deutschland sind es 18,6%. Heißt: Die Alterseinkünfte sind in Deutschland auch deshalb so niedrig, weil auch von Arbeitnehmern zu wenig in die gesetzliche Rente eingezahlt wird und man sich weitgehend auf die gesetzliche Rente konzentriert, während in anderen Ländern konsequent von jedem mehr Geld privat am Kapitalmarkt angelegt wird. Und diese Dinge werden mit dem aktuellen Rentenpaket und der Haltelinie nicht gelöst.
Du hast die Zahlen vor dir und siehst: Wenn du das laufen lässt, knallt das. Irgendeiner bezahlt das dann, im Zweifel die künftigen Generationen. Ich habe mir gesagt: Da darfst du nicht kneifen, du musst sagen, was Sache ist. Und ob man ein Sozialdemokrat ist oder nicht, das ist dann egal

Franz Müntefering
ehemaliger Bundesarbeitsminister, der 2007 die Rente mit 67 einführte, zur aktuellen Renten-Politik

